Ein Betrug ist immer eine unerfreuliche Angelegenheit.
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27.04.2019 08:00

Übers Ohr gehauen

Sehr geehrter Ratgeber

Vor ein paar Wochen fanden ich und mein Mann im Internet eine 3,5 Zimmer-Wohnung. Die Fotos, die gezeigt wurden, sprachen uns sehr an. Wir nahmen mit dem Vermieter Kontakt per Mail auf und teilten ihm mit, dass wir uns für die Wohnung interessieren. Daraufhin meinte der, dass er uns die Wohnung vermieten kann, wenn wir 1000 Franken im Voraus zahlen. Das machten wir und sandten dem Vermieter eine Kopie des Einzahlungsbeleges per Mail. Wir baten ihn darin um einen Besichtigungstermin. Bis heute erhielten wir keine Antwort und sehen uns um 1000 Franken betrogen. Ist unser Geld jetzt verloren? Mein Mann gab mir die Schuld und sagte, dass ich nicht aufgepasst hätte. Er riet mir davon ab zur Polizei zu gehen. Was meinen Sie dazu?

Stefanie M.

Sehr geehrte Frau M.

Wir massen uns nicht an, jemanden schuldig zu sprechen, weil sie oder er einem Betrug zum Opfer gefallen ist. Die Betrüger lassen sich immer wieder Neues einfallen. Im Allgemeinen gilt jedoch, bei Vorauszahlungen immer Vorsicht walten zu lassen. Falsch ist es auch – wie in Ihrem Fall – sich nicht an die Polizei zu wenden. Auf der Website der Schweizerischen Kriminalprävention (www.skppsc.ch) wird auf den sogenannten Immobilien-Vorschussbetrug sehr umfangreich eingegangen:

«Mit gefälschten Immobilienanzeigen versuchen Betrüger und Betrügerinnen an das Geld von Menschen zu gelangen, die verzweifelt auf Wohnungssuche sind. Die Betrügerinnen und Betrüger, die im Immobilienbereich tätig sind, wissen, in welchen Gebieten besondere Wohnungsnot herrscht und welche Bevölkerungsgruppen am meisten davon betroffen sind. Sie gehen darum äusserst zielstrebig vor und schreiben Wohnungen aus, die in attraktiven Quartieren liegen und meist zu einem unglaublich günstigen Preis zu haben sind. Sie publizieren ihre betrügerischen Angebote auf Plattformen, die von der Opferzielgruppe (z. B. Studierende) besonders häufig besucht werden und ergänzen sie mit attraktiven Fotos. Mit solchen Anzeigen versuchen die Betrüger und Betrügerinnen den Wohnungssuchenden eine Vorschusszahlung für Wohnungen, die entweder gar nicht zu vermieten oder gänzlich inexistent sind, zu entlocken. Interessiert sich eine Person für die vermeintliche Wohnung und meldet sich beim in der Anzeige angegebenen Kontakt, so bekommt sie umgehend eine Rückmeldung, dass die Wohnung noch nicht vergeben sei. Der einzige Hacken: Die Mietinteressenten müssen dem Vermieter die Kaution (in der Regel mehrere tausend Franken) vor der Besichtigung und der Schlüsselübergabe überweisen. Die Zahlungen der Mietkaution soll über ein Geldtransfer-Service, wie Western Union oder Moneygram, erfolgen. Sobald dann die Kaution resp. der Vorschuss überwiesen ist, hört man aber nichts mehr vom angeblichen Vermieter. An der besagten Adresse gibt es natürlich keine Wohnung zu vermieten und das Geld ist ebenfalls verloren. Durch die Überweisung der vermeintlichen Kaution mit Hilfe von Geldtransfer-Services kann der Geldfluss nicht mehr nachverfolgt werden.»

Wie können Sie sich künftig vor falschen Immobilienanzeigen schützen? Tipps dazu gibt ebenfalls www.skppsc.ch:

Zahlen Sie niemals eine Kaution mit Hilfe eines Geldtransfer-Services, ohne vorher einen gültigen Mietvertrag in der Hand zu halten und das Objekt besichtigt zu haben.

Ignorieren SieWohnungsinserate, in welchen der Besitzer im Ausland weilt und Ihnen gegen ein Depot den Schlüssel zur Besichtigung zukommen lassen will.

Ignorieren Sie Wohnungsinserate, durch welche Sie erfahren, dass der (ausländische) Besitzer Ihnen die Wohnung ohne vorgängige Besichtigung gegen eine Kaution überlassen möchte.

Ignorieren Sie Wohnungsinserate, die zu schön sind, um wahr zu sein.

Es gibt verschiedene Formen von Vorschussbetrug und die Tricks der Betrüger ändern sich sehr rasch. Zudem nutzen Vorschussbetrüger – so die Schweizerische Kriminalprävention - oft die Namen von bekannten und seriösen Firmen und versuchen unter deren Namen, die Betroffenen zu verwirren und an weitere persönliche Informationen zu gelangen. In den meisten Fällen ist das Geld für immer verloren. Dennoch ist es ratsam, einen Betrug bei der Polizei zu melden.

Ihr Ratgeber

Fragen an den Ratgeber können an redaktion@luzerner-rundschau.ch oder Luzerner Rundschau, z.H. Ratgeber, Obergrundstrasse 44, 6003 Luzern, gerichtet werden. Jede Frage wird vertraulich behandelt und nur mit anonymisiertem Namen veröffentlicht.