Neue Hüllen für alte Hallen: Thomas Heim, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der HSLU in Horw & Projektmitentwickler. Bild: Corinne Schnider
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Neue Hüllen für alte Hallen: Forschende der Hochschule Luzern entwickeln textile Gebäudedämmung.
Bild: z.V.g.
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11.07.2019 18:00

Bauen mit Textilien

4’680 Sporthallen gibt es in der Schweiz. Im Zuge der Energiestrategie 2050 des Bundes, genügen viele den heutigen bauphysikalischen Anforderungen nicht und müssen saniert oder gar ersetzt werden. Die Hochschule Luzern reagiert nun mit textilbasierten Dämmstoffen, die das Verfahren erheblich vereinfachen und den Gebäuden erst noch eine architektonische Qualität verleihen.

Seit 1975 wurden in der Schweiz viele Sporthallen erstellt, die den heutigen energetischen Anforderungen nicht mehr genügen. Nun stehen die Liegenschaftsbesitzer vor der Entscheidung: auf der bestehenden Bausubstanz aufbauen oder diese komplett ersetzen. Ersteres bedeutet primär hohe Kosten und ein lang andauernder Prozess.

Die Energiestrategie 2050 besagt eine Verdoppelung der Sanierungsrate für die Schweiz vor. Dazu tragen nicht nur die steigenden Energiepreise und die Klimaschutzverpflichtungen bei. Auch der Wunsch nach behaglichem und allergiefreiem Wohnen wirft die Frage nach gesunden Baustoffen und einer entsprechenden Konstruktion auf. Für uns wird demnach das Dämmen beim Bauen wie auch beim Sanieren zu einer zentralen Frage. Dazu leistet nun das aktuelle Projekt der Hochschule Luzern einen Beitrag, in dem es eine grossflächige, effektive und effiziente Dämmung anbietet und damit zu einer Umnutzung der baulichen Ressourcen verhilft. Die Textilindustrie kann im Durch­schnitt 20 Prozent Energie sparen - vor allem bei Wärme und elek­tri­schem Strom. Das innovative Material bietet ein breites Einsatzspektrum. So ermöglichen beispielsweise textile Bewässerungsmatten im Garten- und Landschaftsbau eine effiziente Wasserversorgung oder Mode aus biologisch abbaubarem Garn ist eine von vielen Ideen für recycelbare Textilien.

Hallen vor Leerstand bewahren

Grundlegende Analysen der wirtschaftlichen-, technischen- und gestalterischen Machbarkeit wurden vorgängig überprüft. Zum Beispiel Kosten gegenüber den konventionellen Systemen, Brandverhalten, Konstruktionsvarianten angepasst auf Gebäudetypen sowie auch die gestalterischen Varianten, erläutert Thomas Heim, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts Architektur IAR beim Projekt involviert ist. "Mit unserem Team aus Designern, Architekten und den Partnern aus der Bauwirtschaft haben wir bestes Know-how vereint und konnten die letzten Monate auf individuelle Erfahrungen zurückgreifen". Die Untersuchungen haben ergeben, dass mit textiler Dämmung mindestens 250 der rund 4'680 Schweizer Sporthallen ausgestattet und 2'000 alte Gewerbehallen zu Büro- oder Ausstellungsgebäuden umfunktioniert werden können. Thomas Heim: «Mit diesem Verfahren können wir die Hallen vor Leerstand und Abriss bewahren.»

Wärmedämmende Granulatfüllung

Das neue Produkt besteht aus zwei Textilschichten, zwischen die ein Dämmstoff eingeblasen wird. Diese ungewöhnliche Kombination der Materialien aus Steinwolle oder Zellulose, die aus Altpapier gewonnen wird, sei revolutionär, erläutert Daniel Wehrli, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Produkt & Textil.

Nach der Vorfertigung werden die Elemente an Wände und Decken gehängt und vor Ort mit wärmedämmendem Granulat gefüllt. Bei den Textilien handelt es sich um Glasfasergewebe, die bisher in der Luft- und Raumfahrt sowie im Bootsbau zum Einsatz kamen. «Unsere Dämmelemente weisen ähnlich gute wärmedämmenden Eigenschaften auf wie handelsübliche Dämmplatten. Sie lassen sich aber wesentlich schneller installieren», erläutert Projektlieter Simon Halter von der HP Gasser AG, die als Hauptwirtschaftspartner am Verfahren beteiligt sind. Die Sanierungsarbeiten dauern dadurch tatsächlich nur noch wenige Tage statt wie bis anhin Wochen oder Monate. Das Texlining-Team hat drei Dämmelement-Varianten geschaffen, die sich in Form, Gewicht und Preis unterscheiden und für alle Gebäudetypen eingesetzt werden können. Die Variante «Kissen» eignet sich für Massivbauten aus Beton, der «Baldachin» für Leichtbauten aus Stahl oder Holz und der «Schirm» für Hallendecken in beiden Gebäudetypen.

Ästhetische Wirkung

Die textile Dämmung ist für jede Halle individuell zu entwerfen. Ästhetik und Konstruktion sind bei kaum einer anderen Bauweise so untrennbar miteinander verbunden wie beim Textil- bzw. Membranbau. "Die architektonischen Gestaltungsmöglichkeiten seien dabei enorm vielfältig", erklärt Daniel Wehrli. Weil eine textile Dämmung sichtbar bleibt, gibt sie Innenräumen eine ästhetische und greifbare Qualität, die Architektinnen und Architekten gestalten können. Das Glasfasergewebe lässt sich etwa mit Mustern und Farbverläufen bedrucken.

Bisher wurden unterschiedliche Prototypen angefertigt. Die definitive Markteinführung ist für den Herbst dieses Jahres geplant. "Man spürt das Interesse auf dem Markt, es fanden bereits einige Gespräche statt und von einer Tennishalle haben wir eine konkrete Anfrage erhalten", ergänzt Projektleiter Simon Halter.

Auf die Frage, ob es denn auch Nachteile bei diesem Verfahren gibt, meint der Projektleiter: "Es kann nur ein Nachteil sein, wenn nichts unternommen wird".

Die Textile Architektur hat ihre Wurzeln übrigens in den ältesten Formen des menschlichen Wohnens und gilt als Baukunst der Zukunft.

Corinne Schnider