Christian Frank von der Energiegenossenschaft Luzern zeigt die Photovoltaikanlage auf der Turnhalle Bramberg.
Bild: Corinne Schnider
1/1 Christian Frank von der Energiegenossenschaft Luzern zeigt die Photovoltaikanlage auf der Turnhalle Bramberg. Bild: Corinne Schnider
20.06.2019 14:00

Solarstrom fürs Eigenheim

Wärme und Strom von der Sonne aus hochwertigen Anlagen - ein zentraler Bestandteil der zukünftigen Energieversorgung. Um möglichst einfach auch Strom auf dem eigenen Hausdach zu produzieren, engagieren sich aktuell die Stadt Luzern und die Gemeinde Meggen mit einer gemeinsamen Solaraktion.

Um die Ziele des am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen kantonalen Energiegesetz zu erreichen, setzt sich auch die Stadt Luzern mit verschiedenen Beratungs- und Förderungsprogrammen ein. Konkret soll der Anteil der erneuerbaren Energien bis ins Jahr 2030 auf 30 Prozent erhöht werden. Studien haben gezeigt, dass der Energieverbrauch bei Gebäudesanierungen oft um mehr als die Hälfte reduziert werden kann. Auch in Privathaushalten können einfache Sparmassnahmen die jährlichen Energiekosten massiv senken.

Bernhard Gut ist Energiebeauftragter der Stadt Luzern und gibt an, dass aktuell 220 Photovoltaikanlagen, die die Sonneneinstrahlung in elektrischen Strom umwandeln, installiert sind. Alle zusammen produzieren im Jahr rund 7.7 GWh oder 7'700'000 kWh Solarstrom. Das entspricht ungefähr dem Stromverbrauch von 2000 Haushaltungen.

Auch die Zahlen in Meggen können sich sehen lassen. Im Vergleich zu anderen Gemeinden gibt es in Meggen sogar überdurchschnittlich viele Photovoltaikanlagen. Die Anlagen auf dem Gemeindegebiet leisten inzwischen 1‘165 MWh jährlich. Die Gemeinde selbst hat bei den eigenen Bauten verstärkt grössere und kleinere Anlagen realisiert und gezeigt, dass auch an sensiblen Lagen gute Lösungen machbar sind (Scheune Meggenhorn, Strandbad). Private profitieren in der Gemeinde für kleinere, freiwillige Anlagen mit einem Zusatzbeitrag aus dem Energiefonds, was rege benutzt wird. «In der heutigen Zeit stösst der Einbau einer PV-Anlage auf grosses Interesse, besonders bei hohem Anteil an Eigenverbrauch, da wird es lukrativ», so Pius Theiler, Umweltschutzbeauftragter vom Bauamt Meggen.

Aber lohnt es sich wirklich, in eine eigene Photovoltaikanlage zu investieren? Diese Frage beschäftigt heutzutage viele Immobilienbesitzer. Ist doch der Weg zur eigenen PV-Anlage mit offenen Fragen, Bürokratie und hohen Investitionskosten verbunden. In einer gemeinsamen Solaraktion setzten sich aktuell die Stadt Luzern und die Gemeinde Meggen ein, Unklarheiten durch Fachpersonen zu klären und mit Fördergeldern durch Bund und Stadt Luzern bzw. der Gemeinde Meggen zu unterstützen. «Mit unseren Informationsveranstaltungen möchten wir die Luzerner Bevölkerung bei der Realisierung der eigenen Photovoltaikanlage einen erleichterten Prozess schaffen und möglichst viele Menschen animieren», ergänzt Bernhard Gut. Alle Interessierten können sich bei der Umweltberatung Luzern anmelden und dabei von einem unabhängigen Berater profitieren. Dieser führt vorerst eine Vor-Ort-Besichtigung der Gebäudesituation durch, holt mindestens drei Offerten bei Installationsfirmen (Solarprofis) aus der Region ein und beurteilt abschliessend neutral die Offerten.

Die Zukunft von Photovoltaik

Photovoltaik spielt eine zentrale Rolle in der Energiestrategie 2050 des Bundes. Bis 2050 soll rund 20 Prozent des Strombedarfs mit Photovoltaik gedeckt sein – heute sind es knapp 3 Prozent. Die Anzahl PV-Anlagen in der Schweiz wird in den kommenden Jahren also nochmals stark ansteigen. Solarenergie lohnt sich auch finanziell, wird sie doch immer günstiger: Im Jahr 1992 lag der Preis pro Kilowattstunde bei etwa zwei Franken. Heute kostet der Solarstrom von der eigenen Photovoltaikanlage nur noch 12 Rappen pro Kilowattstunde und ist somit gar günstiger als Strom vom Elektrizitätswerk. Dank besseren Produktionsprozessen und Skalenerträgen dürfte Solarenergie in den kommenden Jahren noch günstiger und verbreiteter werden.

Vorteile für Mieter

Die vom Volk mehrfach bestätigte Energiewende hin zu Effizienz und erneuerbaren Energien betrifft auch die Mieterinnen und Mieter. Im Idealfall führen energetische Sanierungen zwar zu höheren Nettomieten, welche jedoch durch tiefere Nebenkosten und mehr Wohnkomfort wettgemacht werden. Die individuellen Handlungsmöglichkeiten nehmen laufend zu: so wurde beispielsweise im September 2017 die Energiegenossenschaft Luzern gegründet, die es Mieterinnen und Mietern dank Beteiligungen ermöglicht, erneuerbaren Strom über Photovoltaikanlagen zu produzieren. Für ein Gelingen der Energiewende benötigt es verschiedenste Anstrengungen, auch Lösungen «von unten». «Unsere Genossenschaft bietet Stadtbewohnern die Möglichkeit, sich aktiv an Anlagen zur Produktion und Speicherung erneuerbarer Energie zu beteiligen», gibt Christian Frank, einer der Gründer von der Energiegenossenschaft Luzern an. Seit Juni 2018 ist auf der Turnhalle Bramberg hinter der Museggmauer in der Stadt Luzern die erste Photovoltaikanlage der EGL in Betrieb und hat bis Ende Februar 2019 bereits 22'000 kWh produziert. Diesen Sommer startet nun das zweite Projekt. Auf einem Schrägdach des Schulareals Bühlmatt in Udligenswil soll eine 39.06 kWp-Anlage installiert werden.

Mit einer Beteiligung von 1'000 Franken, können alle natürlichen oder juristischen Personen Mitglied werden. «Uns ist es aber auch ein Anliegen, die Luzerner Bevölkerung für ökologische Themen zu begeistern und zu sensibilisieren», so Christian Frank.

Corinne Schnider