«The Replacement» sind, v.l.: Chantal Kaufmann, Francesco Cagnin, Gabriele Garavaglia, Jérôme Baccaglio, Lorenza Longhi, Mitchell Anderson, Sam Porritt und Sitara Abuzar Ghaznawi
Bild: z.V.g.
1/1 «The Replacement» sind, v.l.: Chantal Kaufmann, Francesco Cagnin, Gabriele Garavaglia, Jérôme Baccaglio, Lorenza Longhi, Mitchell Anderson, Sam Porritt und Sitara Abuzar Ghaznawi Bild: z.V.g.
06.06.2019 14:00

«The replacement» im Museum Bellpark

Die Ausstellung «The Replacements» im Museum Bellpark in Kriens stellt acht junge Künstlerinnen und Künstler vor, die mit ihren Arbeiten vom 7. bis 21. Juni 2019 immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangen.

Ausgangspunkt der aktuellen Präsentation im Museum im Bellpark war die kurzfristige Absage eines Ausstellungsvorhabens, für das ein «Ersatz» gefunden werden musste. Die ungewohnte Situation hat die Museumsleitung dahin gedeutet, eine Chance darin zu sehen, und ein Format zu erproben, das in ihrer kuratorischen Praxis sonst wenig zur Anwendung kommt. Sie haben sich für eine Gruppenausstellung entschieden und acht junge Künstlerinnen und Künstler zu diesem Projekt eingeladen. In der Strategie ihrer Selbstpräsentation haben die Kunstschaffenden das Thema des «Surrogats» - also nur der «Ersatzstoff» und nicht das eigentlich Gewünschte sein zu können - sofort aufgegriffen und der Ausstellung den Titel «The Replacements» gegeben. Wieso das Stigma nicht aufgreifen, um sich daran abzuarbeiten und es am Ende produktiv umzudeuten? Das ist in der Geschichte der Subkulturen kein unbekanntes Vorgehen im Prozess der Selbstermächtigung und Selbstbehauptung. Schon beim ersten Treffen aller Beteiligten ist der Entschluss gefallen, ein Gruppenfoto für das Ausstellungsplakat zu inszenieren, bei dem diese Ironie nochmals mitschwingt. Mit ernstem Blick in die Kamera präsentieren sich die «Replacements» wie die Protagonisten einer Fernseh-Soap, fotografisch ins Bild gesetzt mit den ästhetischen Mitteln der zeitgenössischen kommerziellen Werbefotografie. Auch in diesem Vorgehen ist ein sensibler Umgang und eine aufgeklärte Bewusstheit erkennbar, wenn es um Fragen der Repräsentation und medialen Inszenierung geht. Für die Ausstellung hat sich das Museum im Bellpark einem interaktiven Prozess geöffnet, bei dem die Kunstschaffenden in einen Dialog eintreten mit den besonderen Räumlichkeiten des Museum und auch mit den künstlerischen Positionen ihrer Kollegen und Kolleginnen. Sie werden Arbeiten zeigen, die teils speziell für diese Gruppenausstellung entwickelt werden oder teils auch schon bestehen. Diese Gruppenausstellung ist also auch eine neue kuratorische Erfahrung, wo thematische Vorgaben oder die Behauptung einer Tendenz im aktuellen Kunstgeschehen zunächst nachgeordnet sind. Auffallend an den Positionen der beteiligten Künstlerinnen und Künstler ist ihr besonderes Interesse an gesellschaftlich relevanten Themen. Die Gruppe selbst besteht aus Personen, die in verschiedenen Projekten immer mal wieder zusammengearbeitet haben oder freundschaftlich verbunden sind. Es ist diese besondere «Anziehungskraft», welche die Kunstschaffenden für die Ausstellung im Bellpark nun erstmals in dieser Konstellation zusammenführt. Wir freuen uns auf den Auftritt der «Replacements» und sind überzeugt davon, an einer eindrücklichen Episode teilzunehmen.

pd/sk